• Industriedenkmal Ampfing
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Industriedenkmal – Windrad

Trinkwasser durch Wind
Die Nutzung von Windkraft lässt sich bis ins 7. Jh. N. Chr. in Persien zurückverfolgen. Noch wesentlich länger spielt der Wind eine Rolle beim Antrieb von Segelschiffen. In  Persien wird dann die Windkraft allerdings auch von Windmühlen genutzt, die einfache Maschinen auf dem Land antreiben. Zwischen dem 12. und dem frühen 19. Jh. waren die Windmühlen in Europa wichtige Energielieferanten. Mit der Entdeckung der Dampfkraft im 18. Jh. verloren sie allmählich an Bedeutung. Heute entdeckt man jedoch die Windenergie als umweltfreundliche Möglichkeit zur Stromerzeugung neu.
Viele Jahrzehnte prägten die Windbrunnen (Windräder im Einsatz als Brunnenpumpen) das Bild der Landschaft um Ampfing. Der Zeitzeuge Rudolf Huber erzählt: „Windbrunnen standen, soweit ich mich erinnern kann, in Wimpasing, Furth, Dirlafing, Haid, Reit, Lain, Schicking und im Ort beim Manghofer Brunnenmacher und beim Zitzmer in der Hofgasse. Im Außenbereich wurde das Wasser aus einer Tiefe von 25 bis 30 Meter hochgepumpt. Auffällig war, dass im Ort so wenig Windbrunnen standen, die im ganzen Isental verbreitet waren.“ Das lag an den sogenannten Artesischen Brunnen, aus denen viele Anwesen ihr Wasser bezogen. Bei diesen Brunnen kommt das Wasser durch seinen Eigendruck selbständig an die Oberfläche. Das Original des Ampfinger Windbrunnens konnte leider nicht mehr gerettet werden, zu groß waren die Schäden, die die Zeit ihm zugefügt hatten. Bezüglich seiner Funktionsweise wurde er jedoch aus korrosionsbeständigen Materialien rekonstruiert und für die Energieinsel 1999 aufgestellt. Das Vorbild der robusten, langlebigen und (durch die Massenproduktion als Bausatz) billigen Konstruktion wurde in der Mitte des 19.Jh. in Nordamerika entwickelt.

Grundlagen der Windnutzung
Da der Druck jeden Gases von seiner Temperatur abhängt, entstehen durch ungleichmäßige Erwärmungen der Erdoberfläche Druckunterschiede in der Luft. Die ausgleichende Luftströmung kennen wir als Wind. Für die notwendige Wärmeenergie sorgen die Sonnenstrahlen, deren Stärke und Wirkung von der Jahreszeit, der geographischen Lage und der jeweiligen Oberflächenbeschaffenheit abhängt. Die Strömungsenergie der Winde stellt eine unbegrenzte und saubere Energiequelle dar. Bei der technischen Nutzung tauchen jedoch Schwierigkeiten auf: Winde können ebenso zerstörerische Orkane wie öde Flauten sein! Windräder sind Maschinen, deren zur Windrichtung schräg gestellte Flächen (Flügel oder Schaufeln) von der Windkraft in Bewegung gesetzt werden. Sie dienen nicht zwangsläufig dem Mahlen von Getreide, sondern können zum Beispiel auch Wasserpumpen antreiben oder Strom erzeugen.
Das Ampfinger Windrad hat eine Gesamthöhe von 17m. Die ringförmig um die horizontale Achse befestigten 18 Schaufeln ergeben einen Gesamtdurchmesser des Windrades von 2,3m. Die Nabe dieses Rades ist oberhalb der Plattform drehbar in stabilen Wälzlagern gelagert. Unter der Schutzhaube sitzen hier die Lager und die Fliehkraftbremse. Bei der aufgebauten Rekonstruktion wird die in die Drehbewegung umgesetzte Windenergie über ein Getriebe übersetzt und mit einer Fliehkraftbremse abgebremst, so dass bei der momentanen Ausführung Windspitzen abgebremst werden können und sich das Windrad zu Demonstrationszwecken gleichmäßig dreht. Die gesamte Einheit ist drehbar in einer massiven Gleitlagerung aus Kunststoff aufgebaut, damit die Windradwelle immer in Hauptwindrichtung zeigt. Die Hauptfahne am Ende dieser Welle dreht das Windrad für die optimale Ausnutzung stets in den Wind. Die Anlage setzt sich schon bei sehr schwachen Wind in Bewegung, weil sich auf der abtreibenden Seite des Getriebes keine Last außer der bei Überbelastung betätigten Fliehkraftbremse befindet.
Das Original des Ampfinger Windrades diente zum Antrieb eines Brunnengeschöpf. Es speiste eine Wasserreserve mit einem Fassungsvermögen von ca. 16 m³. Dieser Wasservorrat reichte etwa 14 Tage. Bei gefüllter Reserve wurde der Schöpfmechanismus automatisch außer Betrieb gesetzt.