• Industriedenkmal Ampfing
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Industriedenkmal – Lokomobil

Bewegung aus Holz
 1954 wird die Dampfmaschine von der Firma Buckau-Wolf als Lokomobil (fahrbare Dampfmaschinenanlage) für ein Bochumer Hüttenwerk gefertigt. Bis in das Jahr 1967 ist „Erna Wolf“, wie die Maschine von den Arbeitern genannt wurde, dort im Einsatz. Alois Klauser erwirbt die Maschine für sein Sägewerk in Bergen bei Siegsdorf und etwa 1970 kauft sie der Zimmerer Franz Schick und baut sie am heutigen Standort, auf dem Gelände an der Münchner Straße in Ampfing auf. Zum Antrieb einer Großsäge sowie zur Stromerzeugung ist sie dort bis 1987 in Gebrauch. Zehn Jahre später restauriert die Ampfinger Firma Maschinenbau KG – Johann Wackerbauer die von Vandalismus, Alter, Korrosion und Verschleiß gezeichnete Dampfmaschine und den dazu gehörigen Wassertank (dessen warmgenietete Handwerksarbeit besonders beachtenswert ist) und setzt sie in funktionsfähigen Zustand. Sie kann über den Flachriemen, den ein kleiner Elektromotor antreibt, in Bewegung gesetzt werden.
Ebenfalls im Jahr 1997 werden die Ruinen auf dem ehemaligen Sägewerksgelände abgerissen und der Glaspavillon für die Dampfmaschine errichtet.

Zur Technik:
Als Dampfmaschine wird oft die Einheit aus der eigentlichen Kolbendampfmaschine und dem Dampfkessel bezeichnet. Während der Kessel, unter Ausnutzung der Wärmeenergie aus Verbrennungsvorgängen, Wasser in unter Druck stehenden Wasserdampf umwandelt, setzt die Kolbendampfmaschine diese Druckenergie in mechanische Energie um. Dabei wirken immer drei wesentliche Komponenten zusammen: Ein Kolben, der durch die Einwirkung des Dampfdrucks im Zylinder verschoben wird, ein Schwungrad, das über eine Schubstange vom Kolben angetrieben wird und das durch seine Masse für einen Lauf mit geringen Drehzahlschwankungen sorgt und eine Steuerungseinrichtung, die im richtigen Moment den Arbeitsraum des Zylinders mit dem Einlass für den Frischdampf und den Abdampf mit dem Auslasskanal verbindet.
Das Schema (Abb. 1) stellt eine sogenannte doppelt wirkende Dampfmaschine mit Schiebersteuerung dar. Dabei wirkt der Druck des Frischdampfes abwechselnd auf der Decke- bzw. Kurbelseite des Kolbens.
Das Ampfinger Lokomobil ist eine doppelt wirkende Dampfmaschine mit Schiebersteuerung, die fest auf ihren Kessel montiert ist. Diese Bauweise ist platzsparend im Betrieb und ermöglicht einen Transport (die Bezeichnung stammt von lokus (lat. Ort) und mobil (lat. Beweglich)).
Über das bei einem Durchmesser von 180 cm zwei Tonnen schwere Riemenrad konnte mit einem Übertragungsriemen aus Leder bei 300 Umdrehungen pro Minute eine Leistung von 110 kW genutzt werden (das entspricht mit 150 PS einem Auto der gehobenen Mittelklasse). Das Schwungrad mit 200 cm Durchmesser sorgte mit seiner Masse von drei Tonnen auf der Kurbelwelle für die notwendige Laufruhe bei der Überwindung der Totpunkte (das sind die Umkehrpunkte des Kolbens, in denen der Dampf keine antreibende Kraft ausüben kann). Ein Exzenter auf der Kurbelwelle treibt den Steuerungsschieber an, der jeweils auf die Arbeitsseite des Kolbens den Frischdampf leitet. Die Druckenergie bezieht die Kurbelwelle vom Kolben über die Schieberstange (auch Pleuelstange). Zum Start der Anlage konnte der Kolben mit einer Handkurbel über die Zahnung auf der Innenseite des Schwungrades in die richtige Stellung gebracht werden. Zur Befeuerung des Ofens wurden anfallendes Sägemehl und Holzreste benutzt.